Riesenerfolg im Kampf um den Erhalt der bedrohtesten Affenart der Welt:
Welt-Erstzucht des Goldkopflanguren - Wildlebende Population stabilisiert
Erstmals seit Jahrzehnten hat in diesem
Jahr der Weltbestand des Goldkopflanguren durch die Geburt von fünf
Jungtieren wieder zugenommen. Der Goldkopflangur (Trachypithecus poliocephalus)
wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als eine der zwei weltweit bedrohtesten
Primatenarten eingestuft. Die Art lebt ausschließlich auf der Insel
Cat Ba, der größten von etwa 3000 Inseln in der als Weltnaturerbe
ausgewiesenen Ha Long Bucht in Nordvietnam. Vor 50 Jahren gab es
schätzungsweise 2500-2800 Tiere, zu Beginn des Jahres 2000 nur noch
etwa 80. In den acht Monaten von Januar bis August 2000 sank die Population
durch Wilderei um ein Drittel auf nur noch 52-54 Tiere. Bei gleichbleibendender
Abnahme wäre die Art ohne sofortige Schutzmaßnahmen bis Ende 2001
ausgerottet gewesen - die erste bekannte Primatenart in Asien, die in
geschichtlicher Zeit vom Erdball verschwunden wäre.
Im September 2000 starteten daher die Zoologische Gesellschaft für Arten-
und Populationsschutz e. V. (ZGAP) und der Allwetterzoo Münster auf
Cat Ba ein Schutzprojekt für den Goldkopflanguren, um die drohende
Ausrottung der Art zu verhindern. Seit 2002 ist die Stiftung Artenschutz
mit Hilfe ihres Sponsors, dem Deutschen Tierhilfswerk (DTHW), Hauptförderer
dieses wichtigen Projektes.
Durch den unermüdlichen Einsatz der Projektleiterin Dr. Roswitha Stenke,
die seit Dezember 2000 auf der Insel Cat Ba lebt und arbeitet, und ihrer
vietnamesischen Mitarbeiter konnte der Niedergang der Art gestoppt werden.
Seit Projektbeginn im September 2000 bis heute wurden auf Cat Ba sieben Jungtiere
geboren. Zum ersten Mal seit Menschengedenken nahm in diesem Jahr mit der
Geburt von vier Jungtieren die Population dieser Art nicht weiter ab, sondern
zu!
Im Rahmen der Neuordnung der Parkgrenzen des Cat Ba Nationalparks gelang
es inzwischen auch, die vietnamesischen Behörden davon zu überzeugen,
dass der Landteil des Nationalparkgebietes vergrößert und auf
einige bislang außerhalb der Parkgrenzen liegende Bereiche ausgeweitet
wird. Alle von den Goldkopflanguren besiedelten Gebiete befinden sich dadurch
künftig innerhalb der Nationalparkgrenzen. Dies bedeutet sowohl einen
besseren Schutzstatus für die Tiere und ihren Lebensraum als auch eine
verbesserte praktische Umsetzung der Schutzgesetze durch qualifiziertes Personal
unter behördlicher Leitung.
Im Jahr 2000 gelangten zwei beschlagnahmte
Goldkopflanguren in das Endangered Primate Rescue Center (EPRC) im Cuc Phuong
Nationalpark (Nordvietnam). Seit 1993 wird dort durch Tilo Nadler von der
Frankfurter Zoologischen Gesellschaft u. a. mit Unterstützung durch
ZGAP, Allwetterzoo Münster und DTHW eine Rettungs- und Zuchtstation
für hochbedrohte vietnamesische Primatenarten aufgebaut und betrieben.
Am 2.6.2003 wurde das erste Jungtier dieses Paares geboren; das EPRC konnte
somit die Welterstzucht eines Goldkopflanguren vermelden. Der Weltbestand
der bedrohtesten Affenart der Welt hat sich somit in diesem Jahr von 55 auf
60 Tiere vermehrt - ein Zuwachs um fast zehn Prozent!
Diese höchst erfreuliche Bilanz lässt hoffen, dass die Ausrottung
des Goldkopflanguren tatsächlich in letzter Minute aufgehalten werden
konnte. Dennoch können nur weitere Spenden- und Fördergelder einen
langfristigen Erfolg und den Erhalt des Cat Ba Nationalparks garantieren.
Eine behutsame und nachhaltige Entwicklung der im Tourismusbereich "boomenden"
Insel ist dringend erforderlich, um auch in Zukunft den Fortbestand ihrer
markanten Flaggschiffart zu ermöglichen.
Fotos: Tilo Nadler und H. Jörg Adler |