Erste Zuchterfolge im Internationalen Zentrum für Schildkrötenschutz
im Allwetterzoo Münster
Vor gut einem Jahr nahm das Internationale Zentrum für
Schildkrötenschutz (IZS) im Allwetterzoo seinen Betrieb auf. Nun konnte
Elmar Meier, der dem Projekt seinen bemerkenswerten Bestand an seltenen
asiatischen Schildkröten zur Verfügung stellte und auch weiterhin
die Tiere betreut, die ersten Zuchterfolge im Zoo feiern: Im September und
Oktober 2004 schlüpften insgesamt fünf junge Schildkröten!
Die Premiere gelang einer kleinen McCords Schlangenhalsschildkröte
(Chelodina mccordi). Diese Art, die derzeit als eine der bedrohtesten
Wasserschildkröten der Welt gilt, lebt ausschließlich auf der
kleinen indonesischen Insel Roti in Sümpfen und Reisfeldern. Ihr Bestand
wurde für den Heimtierhandel so stark geplündert, dass die Art
an den Rand der Ausrottung gebracht wurde. Derzeit existieren nur wenige
Zuchtgruppen in Europa und Amerika.
Die in Münster wohl einmalige
Zuchtgruppe an Goldkopfschildkröten (Cuora aurocapitata) kann ebenfalls
ein weiteres Mitglied verzeichnen. Damit stieg der Weltbestand dieser durch
den asiatischen Schildkrötenhandel für Fleisch und traditionelle
Medizin hochbedrohten chinesischen Art auf insgesamt 110 Tiere an, 27 davon
gehören dem münsterschen Zuchtprojekt. Goldkopfschildkröten
sind von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als kommerziell ausgerottet eingestuft,
d. h. die Art ist in ihrem natürlichen Lebensraum extrem selten geworden
und evtl. sogar bereits ausgerottet. Gleiches gilt für die McCords
Scharnierschildkröte (Cuora mccordi), deren Bestand in Münster
nun durch drei Schlüpflinge auf 18 Tiere gesteigert wurde.
Sehen kann man die kleinen Schildkröten leider nicht, denn das IZS ist
für Besucher nicht zugänglich. Von außen besteht jedoch eine
Einsichtmöglichkeit in die Zuchträume.
Neben der Zucht hochbedrohter asiatischer Wasserschildkröten im IZS
in Münster soll den asiatischen Schildkrötenarten aber auch ein
Überleben in den Herkunftsländern ermöglicht werden. Der
Allwetterzoo plant daher momentan eine vorbereitende Untersuchung in China,
um eventuelle Restpopulationen der extrem seltenen Scharnierschildkröten
im Freiland ausfindig zu machen und dadurch Schutzmaßnahmen im
natürlichen Lebensraum einleiten zu können.
Bei der Suche nach den dafür notwendigen Geldmitteln kann die vom
europäischen Zooverband (EAZA) kürzlich eingeläutete
Schildkröten-Kampagne ShellShock wichtige Unterstützung
liefern. Die Zoologische Assistentin für in situ Artenschutz des
Allwetterzoos, Dr. Martina Raffel, ist als Mitglied der Planungsgruppe und
Koordinatorin im deutschsprachigen Raum für deren Durchführung
wesentlich mitverantwortlich. Die EAZA-ShellShock-Kampagne wurde offiziell
am 22.9.04 auf der EAZA-Konferenz in Kolmarden/Schweden gestartet. In den
kommenden Monaten werden europaweit, und natürlich auch im Allwetterzoo,
zahlreiche Aktionen dazu dienen, die Aufmerksamkeit der Zoobesucher auf die
bevorstehende Ausrottung vieler Schildkrötenarten zu lenken und Gelder
für den Schildkrötenschutz einzuwerben.
|