Kolumbien:
Pakarana-Schutzprojekt in Bogotá
Die Pakarana, oder "falsche
Paka" (Dinomys branickii) gehört nicht nur in Kolumbien, sondern
in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet in den nördlichen Anden
Südamerikas zu den unbekanntesten Säugetieren. Schon im 19. Jahrhundert
galt sie als selten. 30 Jahre nach der Erstbeschreibung 1873 wurde nochmals
über zwei lebende Exemplare aus Brasilien berichtet. Dabei wurde sie
als auffallend zahm und gutmütig beschrieben. Pakaranas sind große,
robuste Nagetiere mit einem Durchschnittsgewicht von 12 kg und einer
Kopf-Schwanz-Länge von etwa 73-79 cm. Lange weiße Barthaare, breite,
gelbe Schneidezähne und der lange, behaarte Schwanz charakterisieren
diese Art, die oft mit dem eigentlichen Paka (Agouti paca) verwechselt
wird. Die Anordnung des Fleckenmusters ist bei ausgewachsenen Pakaranas
individuell verschieden. Die Nahrung der hauptsächlich nachtaktiven
Pflanzenfresser besteht aus Blättern, Knollengewächsen und
Früchten. Tagsüber suchen die geschickten Kletterer in Höhlen
Unterschlupf, bauen aber kein Nest. Bei jedem Wurf werden ein bis zwei Jungtiere
geboren. Pakaranas leben in Familien von meist sechs bis acht Individuen.
Ihre Verbreitung ist auf die Andenkordillere von Bolivien bis Venezuela und
auf die Höhenstufen von 1800 bis 3200 m begrenzt.
Dieser letzte überlebende Vertreter der Familie Dinomyidae wird von
der IUCN als eine von der Ausrottung bedrohte Art eingestuft. Die Ursache
sind Landwirtschaft, Jagd und Lebensraumzerstörung im Andengebiet.
Auch in Zoologischen Gärten
ist die Art äußerst selten
Im Jahre 1902 erreichte die erste lebende Pakarana den Hamburger Zoo. Das
Zuchtbuch des Zoos Rio Grande do Sul in Brasilien führt für Dez.
1994 25 Pakaranas in neun Haltungen, darunter keine europäischen Zoos.
Auch in Kolumbien sind diese Tiere nur selten in Zoos vertreten: 32 Tiere
in drei Zoos. ISIS listete 2004 außerhalb Südamerikas nur 6,4
Tiere in drei US-Zoos.
Die zunehmende Vernichtung der subandinen Wälder wie auch der höher
gelegenen Nebelwälder und Hochlandgebiete (Páramo) im kolumbianischen
Andengebiet waren der Hauptgrund für die Universität Bogotá,
eine Projektreihe zum aktiven Artenschutz in dieser Region zu starten. Die
Grundlagen zum Studium von D. branickii ergaben sich, als die
Forschungsgruppe acht Pakaranas erhielt, die von illegalen Tierhändlern
beschlagnahmt wurden.
Die U.D.C.A. hält in
einem Freigehege eine aus ca. 15 Tieren bestehende Gruppe Pakaranas (Stand
2005). Das Projekt bekam im Laufe der Zeit zusätzliche Finanzierung
von nationalen und internationalen NGOs, darunter WSPA, WCS und ZGAP.
Forschungs-Aspekte:
-
Nachweis und Messung von Pregnandiol (PdG) im Kot weiblicher Pakaranas
-
Vergleichende Untersuchung des Knochenbaus der hystricomorphen Nagetiere
der Anden
-
Habitat-Charakterisierung für künftige Auswilderungs-Projekte
Erste Schritte für ein Schutzprogramm in Kolumbien
Auf Initiative der ZOOLOGISCHEN GESELLSCHAFT FÜR ARTEN- UND
POPULATIONSSCHUTZ e. V. wurden im Mai 2004 die Grundzüge für ein
internationales Komitee mit interessierten europäischen Zoos vereinbart,
um das Pakarana-Schutzprojekt in der Zukunft weiterzuführen. Die bis
jetzt erreichten biologischen Kenntnisse werden es erlauben, durch systematische
Einschätzung örtlicher Bedingungen vorrangige Probleme zu definieren
und konkrete Schutzaktionen durchzuführen. Für die folgenden Jahre
sieht die Forschungsgruppe vor, verschiedene Projekte in Gemeinschaft mit
örtlichen Gemeinden (Campesinos) zum Schutz der Art und der
natürlichen Nebelwaldgebiete in der kolumbianischen Andenregion
durchzuführen. Die konkrete Planung zur Weiterführung des Projektes
sieht folgende Aktivitäten vor:
-
Entwurf eines koordinierten Zuchtprogrammes zum Erhalt genetischer
Variabilität
-
Verständnis der Ökologie und des Verhaltens wildlebender Gruppen
-
Bestandsaufnahme und ausführliche Information über die lokale
Verbreitung der Art
-
Analyse lokaler Bedrohungsfaktoren
-
Aufbau einer Strategie zur Bewusstseinsbildung der lokalen Bevölkerung
Internationales Abkommen
Im März 2005 vereinbarten die ZGAP, drei europäische Zoos und die
Universität Bogotá ein Memorandum of Agreement. Darin werden
u.a. jährliche Zuwendungen an das Projekt und nach erfolgreicher Zucht
mittelfristig der Export von etwa zehn Pakaranas in europäische Zoos
festgelegt. Diese Tiere werden Dauer-Zuchtleihgaben zum Zweck eines gemeinsam
koordinierten Zucht- und Forschungsprogrammes als ein Teil der
Erhaltungsstrategie für diese bedrohte Art sein.
Neue Artenschutz-Station
Aufgrund der internationalen Unterstützung hat sich die Universität
Bogotá entschlossen, ein Gelände für den Aufbau einer
völlig neuen Artenschutz-Station zur Verfügung zu stellen. Hier
sollen neue, moderne Gehege für die Pakarana-Kolonie, Schulungsräume,
Quarantäne, Labor und Veterinär-Station entstehen, die künftig
auch für weiterreichende Projekte und für andere Tierarten
genutzt werden können. Von den Gesamtkosten von etwa 30.000
Euro für den Aufbau müßte etwa ein Drittel durch die
ZGAP und die sie unterstützenden Gruppen aufgebracht werden. Ein Teil
davon ist bereits gesichert, weitere Unsterstützung wäre höchst
willkommen..
Direkte Unterstützung
Die ZGAP unterstützt das Projekt finanziell seit 2004.
Seit
März 2005 hat die
Zoo-AG
Bielefeld (Arbeitsgruppe Zoobiologie) eine Patenschaft über das
Pakarana-Projekt übernommen und unterstützt es über die ZGAP
mit Einnahmen aus ihren Projekten.
Weitere Unterstützung ist willkommen und wird dringend benötigt.
Am einfachsten durch eine Spende an die ZGAP
mit Verwendungszweck "Pakarana".
Kontakt vor Ort:
Karin Osbahr
Unidad de Investigación en Fauna Silvestre
Universidad de Ciencias Aplicadas y Ambientales U.D.C.A.
Bogotá, Colombia
E-Mail: kosbahr@udca.edu.co
Den vollständigen
Artikel aus den ZGAP Mitteilungen 2/2004 können Sie hier downloaden
(107 kb)
Stand: Mai 2006, alle Fotos dieser Seite von René Wüst |